02.09.2026
Geplante Vollsperrung der Strecke Hamburg–Lübeck stellt Hafenwirtschaft vor große Herausforderungen
Die Lübecker Hafen-Gesellschaft (LHG) warnt vor den Auswirkungen der für Oktober angekündigten Vollsperrung der Bahnstrecke Hamburg–Lübeck. Aus Sicht des Unternehmens gefährdet die Maßnahme die zuverlässige Anbindung der Lübecker Häfen an das deutsche und europäische Schienennetz. Zahlreiche Kunden aus Industrie, Handel und Logistik stehen dadurch vor erheblichen Herausforderungen, während etablierte Lieferketten im Ostseeraum beeinträchtigt werden.
„Wir unterstützen die Modernisierung der Bahninfrastruktur ausdrücklich. Gleichzeitig muss sichergestellt sein, dass die Güterverkehre während der Bauphase zuverlässig abgewickelt werden können“, sagt Sebastian Jürgens, Geschäftsführer der Lübecker Hafen-Gesellschaft. „Nur mit einer frühzeitigen Einbindung aller Beteiligten lassen sich tragfähige Lösungen für Wirtschaft und Infrastruktur entwickeln.“
Für die Lübecker Häfen ist die Schiene ein zentraler Verkehrsträger und ein wesentlicher Wettbewerbsfaktor. Insbesondere das Intermodalterminal Baltic Rail Gate verbindet Lübeck mit zahlreichen Wirtschaftsregionen in Deutschland und Europa. Während der geplanten 17-tägigen Sperrung sind allein dort rund 260 planmäßige Zugverbindungen mit insgesamt rund 9.400 Trailern und Containern betroffen. Einschließlich weiterer Ganzzugverkehre könnte die Zahl der beeinträchtigten Güterzüge auf bis zu 340 steigen.
Die von DB InfraGO vorgesehene Umleitungsstrecke über Lübeck, Büchen und Lüneburg bietet nach Einschätzung der Hafenwirtschaft nicht die erforderliche Leistungsfähigkeit, um die bestehenden Güterverkehre in vollem Umfang aufzunehmen. Die Strecke ist unter anderem nicht durchgängig elektrifiziert und kann nur eingeschränkt längere Güterzüge aufnehmen. Dies kann zu erheblichen Beeinträchtigungen entlang der gesamten Logistikkette führen.
„Unsere Sorge gilt nicht nur den unmittelbaren wirtschaftlichen Folgen. Entscheidend ist auch die Verlässlichkeit des Verkehrsträgers Schiene. Wenn Kunden ihre Verkehre dauerhaft auf andere Routen oder Verkehrsträger verlagern, entsteht ein Schaden, der weit über die eigentliche Bauphase hinausreicht“, so Jürgens.
Die LHG fordert deshalb, vor zusätzlichen Vollsperrungen sämtliche Möglichkeiten auszuschöpfen, um notwendige Baumaßnahmen unter laufendem Bahnbetrieb oder mit möglichst geringen Einschränkungen für den Schienenverkehr umzusetzen. Wo Vollsperrungen unvermeidbar sind, müssen frühzeitig abgestimmte und belastbare Umleitungskonzepte entwickelt und die betroffenen Unternehmen verbindlich in die Planung einbezogen werden. Aus Sicht der Hafenwirtschaft müssen leistungsfähige Alternativrouten, ausreichende Güterzugtrassen und abgestimmte Betriebsabläufe bereits vor Beginn einer Vollsperrung sichergestellt sein.
„Vollsperrungen dürfen nicht zur Regel werden. Sie müssen die Ausnahme bleiben. Deshalb erwarten wir, dass zunächst alle Möglichkeiten geprüft werden, Baumaßnahmen unter laufendem Bahnbetrieb oder mit möglichst geringen Einschränkungen für den Schienenverkehr umzusetzen. Wenn eine Vollsperrung technisch unvermeidbar ist, müssen belastbare Alternativkonzepte für den Güterverkehr bereitstehen“, betont Jürgens.
Mit Blick auf die in den kommenden Jahren anstehenden Infrastrukturprojekte setzt die LHG weiterhin auf einen konstruktiven Dialog mit DB InfraGO, Politik und Wirtschaft. Ziel muss es sein, die Modernisierung der Bahninfrastruktur mit einer leistungsfähigen, verlässlichen und wettbewerbsfähigen Anbindung der Lübecker Häfen in Einklang zu bringen.

