01.06.2026
LHG und Hafen Tallinn bauen strategische Hafenkooperation aus
Die Lübecker Hafen-Gesellschaft (LHG) und der estnische Hafen Tallinn bauen ihre Zusammenarbeit im Ostseeraum aus. Im Rahmen des Besuchs einer hochrangigen estnischen Delegation in Lübeck unterzeichneten beide Partner ein Memorandum of Understanding. Ziel ist es, die Verkehrs- und Logistikverbindungen zwischen Lübeck und dem zum Hafen Tallinn gehörenden Hafenstandort Paldiski strategisch weiterzuentwickeln.
Mit der Vereinbarung wollen die LHG und der Hafen Tallinn zusätzliche Ladungspotenziale erschließen, bestehende Verkehre stärken und die Verbindung zwischen Deutschland und Estland nachhaltiger, leistungsfähiger und krisenfester aufstellen. Im Mittelpunkt stehen gemeinsame Marktaktivitäten, integrierte Logistik- und Serviceangebote, der Austausch von Daten, Best Practices sowie Umwelt-, Innovations- und Pilotprojekte zur Modernisierung der maritimen Transportketten.
„Zwischen Deutschland und Estland liegen erhebliche Potenziale für eine Verlagerung von Verkehren von der Straße auf das Schiff“, sagt Prof. Sebastian Jürgens, Geschäftsführer der LHG. „Genau hier setzen wir gemeinsam mit dem Hafen Tallinn an. Wenn es gelingt, bestehende Lkw-Verkehre stärker über See zu führen, profitieren Wirtschaft, Klima und Infrastruktur gleichermaßen. Lübeck und Paldiski können dabei eine wichtige Rolle als leistungsfähige Verbindung im Ostseeraum übernehmen.“
Nach Angaben der LHG bestehen bereits heute zwei Linienverbindungen zwischen Paldiski und Lübeck. Die Partner wollen nun prüfen, wie zusätzliche Frachtströme für diese Verbindung gewonnen und Transportketten besser aufeinander abgestimmt werden können. Dazu gehören gemeinsame integrierte Logistik- und Serviceangebote sowie eine engere Ansprache von Kunden und Marktpartnern.
Die estnische Delegation in Lübeck knüpfte an den Besuch einer hochrangigen Lübecker und Hamburger Delegation in Estland im Frühjahr 2025 an. Damals waren Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Hafenwirtschaft und Logistik zu den Estnisch-Deutschen Hafentagen nach Tallinn gereist. Der erneute Austausch in Lübeck unterstreicht, dass aus den Gesprächen des vergangenen Jahres eine enge und zunehmend konkrete Zusammenarbeit entstanden ist.
Auch Lübecks Bürgermeister Jan Lindenau unterstützt die engere Zusammenarbeit mit Estland: Für die Hansestadt Lübeck füge sich die Vereinbarung in die langjährigen Beziehungen in den Ostseeraum ein und stärke die Rolle Lübecks als logistisches Bindeglied zwischen Deutschland und den baltischen Staaten.
Ein besonderer Schwerpunkt der Kooperation liegt auf der Resilienz von Lieferketten und Verkehrsinfrastrukturen im Ostseeraum. LHG und Hafen Tallinn wollen sich nach dem Memorandum auch zu Fragen der Versorgungssicherheit, kritischer Infrastruktur und militärischer Mobilität austauschen. Damit erhält die Verbindung zwischen Lübeck und Paldiski vor dem Hintergrund der sicherheitspolitischen Lage im Ostseeraum zusätzliches strategisches Gewicht. Auch gemeinsame Anträge für europäische und nationale Förderprogramme sind Teil des Kooperationsrahmens.
Im Memorandum sind hierzu spezifische Projekte und die Einrichtung eines Lenkungsausschusses vereinbart worden. Jürgens weiter: „Es freut mich, dass wir konkrete, praxisorientierte Vereinbarungen treffen konnten – und nicht einfach nur eine abstrakte Willensbekundung unterschrieben haben. Dafür haben wir die richtigen Partner.“

